Let’s do the Time Warp again!

Eine kleine Zeitreise zur EuroShop 1990 und zu den Pionieren der SCO-Technologie

Manchmal führt eine zufällige Entdeckung direkt in die Vergangenheit. Beim Lesen des SCO Innovation Guide des EHI Retail Institute bin ich auf einen Hinweis gestoßen, der mich 35 Jahre zurückkatapultiert hat – zur EuroShop 1990.

Damals, im Februar 1990, war die Handelswelt eine völlig andere. Kein Internet, keine Smartphones, keine Cloud, keine KI. Computer standen meist noch auf Schreibtischen, und der Barcode-Scanner war vielerorts das modernste Stück Technik im Markt.

Und dennoch: Schon damals arbeiteten einige Visionäre an einem Konzept, das heute aus dem Handel kaum mehr wegzudenken ist – dem Self-Checkout.


Eine Innovation ihrer Zeit weit voraus

In der Fachzeitschrift dynamik im handel erschien kurz vor der EuroShop 1990 ein Bericht über den Check-Robot – eine bahnbrechende Neuheit aus den USA. Entwickelt wurde sie von Check-Robot Inc. in Florida und in Europa mit dem süddeutschen Kassentischhersteller Harr gemeinsam präsentiert. Das System stellte eine damals fast unglaubliche Innovation dar: Eine vollautomatische Self-Scanning-Kassenzone.

Hier ein kurzer Auszug aus dem damaligen Artikel mit den Original-Texten und retuschierten Bildern:

Bild zeigt das Startmenü auf dem Bildschirm des Check-Robot.

Der Kunde erreicht mit dem Einkaufswagen das Scanner-Band und aktiviert das System durch Berühren des eingeblendeten „Start“-Symbols auf dem Bildschirm. Durch ein Video wird die Funktion erklärt.

Bild 2 zeigt die Hand eines Kunden, der einen Artikel zum Scannen vor den Horizontal-Scanner hält.

Der Kunde scannt jeden Artikel und legt ihn auf das Förderband.

Die Ware durchläuft das Sicherheitssystem, in der die Länge, Breite, Höhe und das Gewicht abgetastet bzw. festgestellt werden. Diese Daten werden mit den im Sicherheitssystem gespeicherten Artikeldaten verglichen.

Das Sicherheitssystem garantiert, dass kein falscher Preis zugeordnet wird.

Bild 3 zeigt eine Kundin, die einen gescanten Artikel auf das Förderband legt.

Bei Fehlern stoppt das Band und bringt die Ware durch Rückwärtslaufen zum Kunden zurück.

Bei Problemen berührt der Kunde die Bildschirmeinblendung.

Bild 4 zeigt nochmal den Monitor des Check-Robot System, auf dem eine junge Frau die Einkaufsrechnung präsentiert.

Der Bildschirm zeigt Einzelbeträge, Zwischensummen und nach Abschluss auch den Endbetrag.

Außerdem werden sämtliche Preise mittels Stimmen-Synthesizer akustisch angegeben.

Am Ende des Scanner-Vorganges erscheint der Endbetrag und die junge Dame auf dem Bildschirm bittet den Kunden…

Bild 5 zeigt einen Drucker, der einen Papier-Kassenbon ausdruckt.

…den Coupon zu entnehmen und…

Bild 6 zeigt eine Kundin, die an einer Kassierstation, an der auch eine Kassiererin steht, ihren Einkauf bezahlt.

…an der Kassenstation zu zahlen.


Visionär gedacht – zu früh für den Markt

Schon die technische Ausstattung liest sich heute beeindruckend futuristisch: Ein voll computerisiertes System mit Touchscreen, Tischscanner, Bandtransport, Sicherheitswaage, Lichtschranken, Benutzerführung per Sprachausgabe und einer zentralen Bezahlstation mit Personal.

Fehlerhafte Scans oder Nicht-Scans wurden automatisch erkannt – die Ware wurde per Rücklaufband zurücktransportiert, korrigiert oder von einer Aufsichtsperson überprüft.

Kurz gesagt:
Ein funktionierendes Self-Checkout-System, entwickelt in einer Zeit, als die meisten Supermärkte noch mit Handwaagen, mechanischen Kassenschubladen und Akustikklingeln arbeiteten.

Auf der EuroShop 1990 zog der Check-Robot große Aufmerksamkeit auf sich. Viele Besucher bestaunten die Kombination aus Scanner-Technologie, Sprachausgabe und automatischem Warenfluss.

Doch der Markt war schlicht noch nicht bereit. Die Kunden kannten Selbstbedienung nur aus dem Regal, nicht an der Kasse. Die Technik war teuer, die Integration in bestehende Systeme kompliziert – und das Vertrauen in „maschinengeführtes Kassieren“ gering.

Check-Robot Inc. verschwand kurze Zeit später vom Markt und auch das visionäre Patent dieser Firma (siehe nachfolgende Zeichnung). Doch der deutsche Partner Harr Kassentische blieb – und trug die Idee weiter in sich.

Bild zeigt eine schematische Zeichnung des Check-Robot-Systems. Einzelne Komponenten sind hierbei mit Nummern gekennzeichnet. Die Zeichnung stammt aus der Patentschrift des Check-Robot-Systems aus dem Jahr 1990.

Vom Pionier zum Branchenführer

35 Jahre später repräsentiert Harr Kassentische einen der zentralen Bestandteile der ITAB Gruppe. Heute zählt das Unternehmen zu den führenden europäischen Herstellern von Kassentischen, SCOs und Lösungen für die moderne Checkout-Zone.

Ironie bei der Geschichte des Check-Robots ist: Eine Grundidee, die 1990 ihrer Zeit voraus war, wurde mehr als drei Jahrzehnte später zum Standard und bildet einen der dynamischsten Innovationsbereiche im stationären Handel.

Die Geschichte des Check-Robot ist deshalb mehr als eine Anekdote aus der Frühzeit der Digitalisierung. Sie zeigt, wie Ideen manchmal Jahrzehnte brauchen, bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Und sie beweist, dass Innovationsgeist und Beharrlichkeit oft die entscheidenden Zutaten sind, um Pionierarbeit zu leisten. Auch wenn der Erfolg erst viel später sichtbar wird.


Ein Stück Handelsgeschichte mit Zukunft

Heute erleben wir, wie Self-Checkout-Systeme, KI, Sensorik und Computer Vision den Handel neu definieren.

Aber der Ursprung dieser Entwicklung liegt tiefer – in den Köpfen jener, die schon 1990 erkannt haben, dass Technologie mehr sein kann als reine Abwicklung. Nämlich ein Werkzeug für Komfort, Effizienz und Kundenerlebnis.

Mit diesem Blick zurück auf den Check-Robot und die EuroShop 1990 wird deutlich:
Die Zukunft des Handels begann früher, als viele denken!

Und manche Unternehmen – wie ITAB Harr – trugen die SCO-Gene offenbar schon in sich. Lange bevor sie jemand beim Namen nannte.

P.S.: Mein Dank gilt dem EHI Retail Institute für die Unterstützung bei der Recherche und die Genehmigung, den Originalartikel zu verwenden. Die aufwendig, mit Hilfe von ChatGPT restaurierten, Fotos stammen aus dem Fachartikel „dynamik im handel“ (Ausgabe 2/1990) – eine kleine Zeitreise in die Zukunft von gestern.

Interessiert an SCO-Entwicklung? Tauschen wir uns aus!