Kundin scannt mit einem Handscanner einen Artikel an einem digitalen Smart Shopper mit integriertem Bildschirm in einem modernen Supermarkt.

Smart Shopper: Wunderwagen oder Übergangstechnologie?

Manchmal braucht eine Idee etwas länger, bis der Markt reif dafür ist. Smart Shopper sind dafür ein gutes Beispiel. Schon vor rund 20 Jahren beschäftigte sich der Handel mit der Frage, wie aus einem klassischen Einkaufswagen ein intelligenter Begleiter für den gesamten Einkauf werden kann.

Als Leiter Technik/Entwicklung bei Wanzl durfte ich damals erste Konzepte entwickeln und vorstellen. Bei den Microsoft Days 2006 in Brüssel basierte die Warenerfassung noch auf Barcodes (siehe Microsoft Innovation Days 2006: Wanzl Smart Trolley). Auf der EuroShop 2008 folgte ein RFID-Trolley, bei dem Artikel über RFID-Etiketten und Antennen im Kunststoff-Wagenkorb identifiziert wurden.

Beide Ansätze hatten einen entscheidenden Gedanken gemeinsam: Die Ware sollte bereits während des Einkaufs im Wagen erfasst werden – und nicht erst an der Kasse.

Eine zusätzliche Sicherheitskontrolle über das Gewicht der Artikel war bei diesen frühen Konzepten allerdings noch nicht Bestandteil der Lösung. Dieser Baustein kam erst später hinzu.


Smart Shopper: Vom Einkaufswagen zum Kontrollsystem

Heute nutzen moderne Smart-Shopper-Lösungen integrierte Wiegetechnik, um die erfassten Artikel mit dem tatsächlichen Inhalt des Einkaufswagens abzugleichen. Damit entsteht eine zusätzliche Kontrollmöglichkeit gegen nicht oder falsch gescannte Ware.

Ein Beispiel dafür ist der SmartShopper® EO Complete von EXPRESSO (Expresso SmartShopper). Hier werden Scan- und Wägeeinheit direkt im Einkaufswagen miteinander kombiniert. Mit EyeQ kommen darüber hinaus Kamera- und KI-Funktionen hinzu, die den Smart Cart um weitere Möglichkeiten zur Erkennung und Kontrolle von Artikeln ergänzen.

Parallel wurden in den vergangenen Jahren auch andere Ansätze entwickelt. Dazu gehörten beispielsweise Systeme, bei denen vor dem Bezahlvorgang das Gesamtgewicht des Einkaufswagens über separate Wiegestationen kontrolliert wurde, wie z. B. das „Supersmart S3 Scan & Go Loss Prevention System“ von Bizerba (Bizerba Supersmart S3 Video, Bizerba Supersmart S3 Dokumentation).

Die technische Umsetzung verändert sich. Die Grundfrage ist jedoch dieselbe geblieben:

Wie kann der Einkaufswagen mehr leisten, als nur Ware zu transportieren?


Der Einkaufswagen wird digital

Inzwischen lässt sich eine Vielzahl von Funktionen direkt in den Wagen integrieren:

  • Scanner und Produkterfassung
  • Display und digitale Benutzerführung
  • Wiegezellen zur Plausibilitätskontrolle
  • Bezahlprozesse
  • Anbindung an Warenwirtschaft und Kassensystem
  • Funktionen zur Schwundprävention und zunehmend
  • Kamera- und KI-basierte Produkterkennung

Damit verändert sich die Rolle des Einkaufswagens grundlegend. Er wird zu einem digitalen Touchpoint im Markt.

Beim klassischen Self-Checkout beginnt der eigentliche digitale Checkout-Prozess meist erst am Ende des Einkaufs. Der Kunde bringt seine Ware zur Self-Checkout-Kasse, scannt die Artikel und bezahlt.

Beim Smart Shopper beginnt dieser Prozess wesentlich früher. Bereits während des Einkaufs werden Artikel erfasst. Der Kunde kann Warenkorb und Gesamtbetrag verfolgen und erhält Informationen direkt dort, wo Kaufentscheidungen entstehen: Am Regal und während des Einkaufs.

Für den Handel eröffnet das neue Möglichkeiten. Prozesse können anders gesteuert, Kunden gezielter geführt und Serviceangebote unmittelbar in den Einkaufsprozess integriert werden. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Ansätze für Schwundprävention und die Analyse von Abläufen im Markt.


Ein Wunderwagen ist auch ein System

Das klingt zunächst nach einem nahezu perfekten Einkaufswagen. In der Praxis ist ein Smart Shopper jedoch weit mehr als ein Einkaufswagen mit Bildschirm und Scanner.

Die Systeme benötigen geeignete Stellflächen sowie definierte Lade-, Reinigungs- und Serviceprozesse. Die IT-Anbindung muss stabil funktionieren. Auch für Altersfreigaben, Stornos, Gewichtsdifferenzen, Fehlscans oder technische Störungen braucht es klare Abläufe.

Hinzu kommt die Wirtschaftlichkeit. Ein technisch überzeugendes Konzept ist noch keine passende Lösung für jeden Markt.

Ein kleiner Innenstadtmarkt mit überwiegend kleinen Einkaufskörben stellt andere Anforderungen als ein großflächiger Supermarkt oder Verbrauchermarkt, in dem Kunden ihren Wocheneinkauf erledigen. Auch Einkaufsdauer, Artikelstruktur, Kundschaft und vorhandene Checkout-Prozesse beeinflussen, ob sich ein Smart-Shopper-Konzept sinnvoll einsetzen lässt (siehe auch Retail Engineering: Welche Self-Service-Lösung für welchen Markt?).


Smart Shopper: Weder Spielerei noch Universallösung

Deshalb sehe ich Smart Shopper weder als technische Spielerei noch als Universallösung für den Handel. Gleichzeitig halte ich sie für deutlich mehr als eine reine Übergangstechnologie.

Sie können ein ernstzunehmender Baustein im Self-Service-Ökosystem eines Handelsunternehmens sein – insbesondere dort, wo größere Warenkörbe, längere Einkaufszeiten und ein hoher Serviceanspruch zusammenkommen.

Dabei sollte die Diskussion allerdings nicht mit der Frage beginnen:

„Ist ein Smart Shopper besser als ein Self-Checkout?“

Die sinnvollere Frage lautet:

„Welche Self-Service-Lösung passt zum Markt, zur Kundschaft und zum Prozess?“

Denn auch beim Smart Shopper gilt: Nicht die Technologie allein entscheidet über den Erfolg. Entscheidend ist, wie gut sie in das Gesamtsystem des Marktes integriert wird.

Sie beschäftigen sich mit Smart Shoppern oder anderen Self-Service-Lösungen? Ich unterstütze Sie dabei, Technologie, Marktformat, Kundschaft und Prozesse strukturiert zusammenzubringen – von der ersten Bewertung bis zur Umsetzung.